Regelmäßig setzen Simon Schießl und ich uns zusammen, um als Ausgleich zum Job verschiedene Projekte zu realisieren. Im vergangenen Jahr entstand so die Überwachungsleuchte Eyelight Dot Me. In diesem Jahr sollte es eine Audioinstallation werden deren glorreicher Name durch die Symbiose der Worte Sound+Pixel=Soxel zustande kommt. Dies beschreibt womit sich die Installation konzeptionell, visuell und akustisch befassen sollte, nämlich der Entwicklung einer Lautsprecherwand, die mit einer Matrix tausend einzeln ansteuerbarer Lautsprecher auditive Bilder lautmalerisch audiolisieren kann. Das es weniger Jobausgleich und vielleicht doch etwas zu groß angesetzt sein könnte wollte ich Simon zumindest anfangs nicht glauben, denn Unterstützung kam von Andrea Bassi seinerseits Soundartist aus dem fernen Milan. (Die Foto-Dokumentation vom Bau der Soxels-Wand findet ihr hier.) Zielsetzung war es also wiedermal etwas auf die Beine zu stellen, das während des DMY International Design Festivals präsentiert werden konnte… Nun denn, ich mache es kurz: wir (*) haben es geschafft und waren es demnach auch ziemlich. Die Hardwarekomponenten installierten wir erstmalig 2 Stunden vor Eröffnung und verbrachten demnach die restlichen Ausstellungstage mit der Weiterentwicklung der Software, was zugegebenermaßen sehr zu Lasten der auditiven Qualität und auf die Nerven der Standbetreiber der näheren Umgebung ging. Zeit für intensive Betrachtung der Arbeiten anderer Aussteller blieb nicht, trotzdem hier (m)ein dokumentarischer Kurzüberblick vom DMY 2010 und nachfolgend ein Eindruck vom ersten Soxels-Prototypen auf unserer 4×4m Standfläche:
Anfang Juni konnte ich mit einigen Kollegen geschäftlich in die Nähe von Egilsstaðir im Osten Islands reisen und dort nebst herzlicher Gastfreundschaft auch kulinarische Arbeitsweisen kennenlernen und nur um nicht zu pauschalisieren: Mindestens jeder Isländer ertränkt seinen Kuchen in flüssiger Sahne, nimmt dazu ein, zwei Bier und isst zum gekochten Schafskopf selbsteingelegte Tannenzapfenmarmelade. Nachtischshalber nicht zu vergessen der frisch fermentierte Hákarl. Mindestens so sah der Speiseplan Arbeitsplan aus … und ich habe ihn genossen! Trotz kurzfristig stillgelegten Eyjafjallajökull hatte Island auch touristisch einiges zu bieten: wild-zerklüftete Lavandschaft, gigantische Gletscherflächen, skurile Autos mit noch skurileren Reifen, automatisierte Fischjagd in eiskalten Fjords, Sonnenuntergänge mitten in der Nacht, Sonnenaufgänge mitten in der Nacht und ein Rentier.
Isländische Stehaufmännchen werden auch zukünftige missliche Lagen überstehen.
Freund und Kommilitone Tim Horntrich alias RGBdeluxe vollbrachte mit bravur seine Diplomprüfung in der Digitalen Klasse der UdK. Thematisch auseinandergesetzt mit der Molekularküche schaffte Tim es dem Internet einigen Beigeschmack abzuringen – kurz: Gaumen hoch!
Das Projekt Klimakapseln des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg und der Hochschule für bildende Künste Hamburg befasst sich noch bis zum 12. September 2010 mit der Frage wie die Menschheit in Zukunft leben soll? Wie sieht unser Alltag aus, wenn der Klimawandel spürbare Wirklichkeit wird? Historische und aktuelle klimabezogene Modelle, Konzepte, Strategien, Experimente und Utopien aus Design, Kunst, Architektur und Städtebau zeigen Visionen für ein Überleben in der Katastrophe. Zu sehen sind 30 mobile, temporäre und urbane Kapseln, mit denen menschliches Leben unabhängig von den klimatischen Bedingungen möglich werden soll – von schwimmenden Städten über Körperkapseln bis zu Konzepten der Meerwasserdüngung oder Schwefeleinstreuungen in die Stratosphäre. Im Zentrum der Ausstellung “Klimakapseln. Überlebensbedingungen in der Katastrophe” stehen anwendungsbezogene Projekte für klimatologische Kapseln aus Design, Kunst, Architektur, Stadtplanung und Geo-Engineering. Die gesellschaftlichen (politisch, kulturell, sozialräumlich) Konsequenzen dieser aktuellen Anpassungsstrategien werden mittels zeitgenössischer künstlerischer Positionen und avantgardistischer Konzepte des 20. Jahrhunderts reflektiert. So kommt den historischen Projekten im Kontext des Klimawandels eine neue Bedeutung zu. Die aktuellen künstlerischen Projekte brechen die positivistische Perspektive und bieten dem Ausstellungsbesucher eine weitere sinnliche Erfahrungsebene an. Die Exponate lassen sich in fünf Aspekte gliedern: Körperkapseln, Wohnkapseln, urbane Kapseln, Naturkapseln und atmosphärische Kapseln. Als erklärter Haus Rucker Co Fan bin ich besonders erfreut über die Intergration der Oase Nr. 7 und eine Einladung zur Eröffnungsveranstaltung. Vielen Dank dafür an Professor, Freund und Vorbild Zamp Kelp!
Bekannterweise legte der Verkehrminister in der vergangenen Woche mit Hilfe einer großen isländischen Vulkanwolke den Flugverkehr recht lahm was zur Folge hatte, das Paul und ich erst nach gefühlten 128 Stunden Zugfahrt bei der See Conference in Wiesbaden eintrafen. Diese fand zum fünften Mal unter dem Oberbegriff der Informationsvisualisierung statt und überraschte mit frühlingshaftem Wetter und daheimgebliebenen Sprechern – dafür aber mit knapp 800 Besuchern. Gute Kombi. Der bemühte Veranstalter schaffte es jedoch recht spontan eine dadaistisch anmutende Videoverbindung auf die Beine zu stellen, die auch irgendwie interessant war. Übrigens bekam ich das Angebot bei einem erneuten Videoausfall spontan mit Paul einspringen zu dürfen und eine Präsentation zur kinetischen Skulptur vom Besten zu geben was sogar eine Erwähnung im verbalen Abspann einbrachte. Naja, nächstes Mal dann halt. Nachfolgend mein kleiner Highlight-Überblick:
Prof Dr Herbert W Franke, seinerseits österreichischer Forscher, sprach in seinem Vortrag über Bildkultur kontra Sprachkultur und forderte darin neue Wege der Kommunikation durch neue Technik und die Zusammenkunft von Kunst und Wissenschaft, was für anwesende Werber doch vielleicht eine Nummer zu hoch schien. Formelvorherrschaften sollten gebrochen und endlich durch Bildsprachen ergänzt werden – speziell dann wenn die Sprache als causale Aneinanderreihung von Wortketten in ihrer Funktion für Komplexitäten in der Informationsvisualisierung nicht mehr ausreiche.
Darstellung der Datenaufnahme des menschlichen Gehirnes, Prof Dr Herbert W Franke.
Der Vortrag des australische Künstlers, Tänzer und Choreographen Gideon Obarzanek (Chunky Move) griff das Zusammenspiel von Virtualität und Realität auf und gab einen Überblick zu fictional illusions. Er sprach von integrativen Prozessen der Teamarbeit (“People are not able to imagine what they don’t know.”), der graphischen Darstellung durch den Körper (Stichworte zur technischen Problemstellung und -lösung: motion-sensing (understanding movement, tracking and processing), subsonic soundsystems and feeling them) und dem Problem mit Softwareentwicklern eine gemeinsame Sprache zu finden (“Ja, es ist möglich.” bedeutet demnach, daß locker ein halbes Leben Entwicklungszeit für ein Projekt draufgehen mag / Stichwort: “Incompatability in time!“). Gideon Obarzanek spontane Choreografie auf Video gebannt.
Dieter Brell gab während seines Vortrages einen Einblick in die Arbeitsweisen (Handskizzen!) seines Wiesbaden-Hamburg-Shanghaier Architektur- und Interiorbüros 3Deluxe deren Arbeiten glücklicherweise besser funktionieren als die Navigation ihrer Webseite. Er sprach über die Additivität multipler atmosphärischer Ebenen, die in der Formfindung gegenüber einer einheitlichen, harmonisch-integrativen Vision aus den 60ern stünde. Hängengeblieben ist außerdem der Leonardo Glass Cube von 2007 als imageprägende Firmenarchitektur für Glaskoch B. Koch jr. GmbH + Co. KG aus Bad Driburg, Deutschland.
Adrew vande Moere zitierte eifrig aus seinem Blog, Nicolas Felton machte weiter sein Ding und bewies, daß quantitative Daten ein kurioser Quell sein und Fragen auf alle (?) Antworten geben können (Stichworte: Everyone has a story to tell/The lost history of pills/Communicate the story, not the data).
Weiter geht’s: Kent Demaine (OOOii, Hollywood) war leider behindert – durch den Vulkan – und es interessiert mich wirklich brennend, ob sein Vortrag durch seine Anwesenheit erruptiver geworden wäre als die zähflüssige Präsentation, die die Besucher via Skype (!?!) zum Erkalten brachte. (Bitte den vorherigen Satz nochmal lesen damit einem der Wortwitz zum Vulkan bewußt wird…brennen, Erruption und so). (Das schöne am eigenen Blog ist, daß man schreiben kann was man will – naja, außer vielleicht über ein neues iPhone, das man für 5000$ kauft um es detailreich zu präsentieren; denn dann kommen direkt irgendwelche Honks und treten Deine Tür ein…// Sorry. Kam mir gerade so.). Also, zurück zur Präsentation von Herrn Demaine: diese befasste sich mit der Darstellung von Zukunftstechnologien in Filmen samt zugehörigen Specialeffects und Herr Demaine verstand es vortrefflich dieses spektakuläre Thema der Zuhörerschaft als wissenschaftlich, trockene Abhandlung zu präsentieren: theoretisch viele Slides, ab und zu mal eine Videoeinspielung bei der man aber nicht wußte in welchem Bezug diese gezeigt wurde. Interessant an dieser Stelle ein eingeblendetes Pro7-Icon bei einem Ausschnitt aus Minority Report. WTF? (Vielleicht bin ich aber auch so kritisch, weil sein Vortrag als Highlight angekündigt war und das was er bot dem keineswegs nahe kam. Asche auf sein Haupt. Zumindest die Videokonferenz funktionierte mit Hilfe der Acrobat Connect Software, die der Adobe Außendienst Mitarbeiter spontan beisteuerte und dadurch zu seinen 15 Minuten Ruhm auf der Bühne kam (…und er sonnte und sonnte sich in diesem Ruhm…)).
Hannes Koch (rAndom International, London) riss das ganze dann glücklicherweise mit seinem Vortrag zum Verhalten von Objects & Environments wieder raus. Die abzuleitende Keymessage könnte gedeutet werden als: Die wichtigste Aufgabe eines Designers ist die Dokumentation seiner Arbeit. Er ist einfach gut, schafft Emotionalität zum Objekt (mag ich!) und er spricht mir aus der Seele, wenn er fragt “What does it mean to be a pixel? Let’s liberate the pixels!”
Wie schon erwähnt sitzen Jens und ich zur Zeit an einer kleinen Schaufenster-Installation für den Friedrichshainer Skate Laden ROCS. Das ganze nimmt gerade Gestalt an: Projektion auf Tesafilm.
Als Vorband der Toten Hosen während des zweiten Düsseldorfer Weihnachtskonzertes Ende letzten Jahres lieferte die bayrische Kapelle LaBrassBanda eine extrem gute Show ab und da Alpentechno genau das trifft was ich zur Zeit (neben JUD) brauche mußte ich, wieder zurück in Berlin, auch direkt zu ihrem Konzert. Praktischerweise quasi nebenan im ASTRA Kulturhaus. Dazu nun nachfolgendes Vimeo; zwar nur aus ein paar aneinander gereihten Snippets, die aber hoffentlich einen Eindruck über die richtige Mischung Rum Cola, gute Laune, super Leuten und geiler Musik geben:
Wenn ihr die Chance habt die Jungs live zu sehen: hingehen!!
Nachtrag: Gerade habe ich getwittert, daß ich diesen Eintrag gepostet habe. Wenn ich nun 3 Minuten später danach google ist es direkt indiziert. Begrüßt mit mir die Google Echtzeit-Suche!
On behalf of the German Hygiene-Museum Dresden, ART+COM has developed a statistics strip for the exhibition “Work. Meaning and Worry” to visualise and process large volumes of data and facts. Like a recurring theme, the black aluminium strip folds along the walls and widens occasionally into graphs and charts of various types: 3-D lines, surfaces and columns, show extensive, transparent and easy to understand background information and amazing details.
Besides, seven interactive media stations with projections are integrated into the strip, where visitors can change different parameters by turning knobs and thus retrieve various data. 50 small monitors contrast the figures on the wall with individual perspectives: using touch screens, interviews with over 100 people are embedded into the statistics strip.
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